Meine erste Begegnung mit Adam Gussow hatte ich in New York im Jahre 2000. An diesen Abend erinnere ich mich noch genau, kannte ich doch bereits seine CDs mit Sterling Magee. Mit ihm bildet(e) er das unglaublichste Duo was mir je zu Ohren gekommen ist: "Satan & Adam".Damals mehr oder weniger noch ein absoluter Geheimtip hier in Deutschland, aber seit Adam Gussows Start seiner Video Lessons auf Youtube ist dieses Duo für viele ein Begriff.
Aber nun zum besagten Abend. Es gab in NYC das "C.H.I.C.A.G.O. Blues", einer der angesagtesten Clubs in der Stadt. Nach 09/11 schloß der Club, der nicht weit von Ground Zero zu finden war. Im "C.H.I.C.A.G.O. Blues" gab es unvergessliche Konzerte: Little Charlie & The Nightcats, John Hammond, Keb` Mo und zahlreiche andere namhafter Musiker.
Ich traf Adam auf einer Monday Blues Jam. Voller Respekt lies ich ihn nicht aus den Augen und wagte nicht mal den Kopf von der Bühne weg zu drehen. NYC hatte immer schon eine interessante Dichte an Harpspielern die ihren eigenen Stil gefunden haben und dadurch bekannt geworden sind. Ob Paul Oscher, William Galison, Randy Weinstein, Nat Riddles, John Hammond, Mason Casey, Sugar Blue........
Ich war an diesem Abend mit einem anderen Harper aus Russland zusammen. In New York nichts ungewöhnliches. Er kannte Adam bereits und so kam man dann in einer Pause zusammen.Thema: Overblows - nichts für mich, damals nicht und heute auch nicht. Aber es entwickelte sich ein ungewöhnlicher Abend, der mit einer der besten war, den ich in Manhattan erlebt habe.

Im Club selbst waren noch Musiker aus einer anderen Stadt. Bläser, irgendwo aus der USA, unterwegs auf ihren Trip durch die Städte, wo der Blues zu Hause ist. Aber man kannte sich.
So beschloss man zu fünft in einen Jazz-Keller zu gehen, wie man ihn sich in etwa vorstellt. Eine kleine Tür, an die man, wenn man es nicht wüßte, unwissend vorbei gehen würde. Vorbei an einem Türvorsteher namens "Schrank" und dann 20 Stufen hinab in den Keller. Man hatte in etwas soviel Platz wie die Beinfreiheit einer deutschen Airline. Das Interior bestand aus Beistelltischen, Sesseln, Stühlen, einer Bar. Es überwiegten die Farben schwarz, schwarz und schwarz. Ebenso die Wände, abgehangen mit Stoff. Ich glaube, sie waren schwarz. Die Theke kam mir gleich merkwürdig vor, aber ich bemerkte erst 5 Minuten nach dem Eintreffen, was mir zunächst nicht auffiel: Es gab keine Flaschen, wie man es normalerweise erwarten würde. Und da lag der Hase zunächst begraben. Um in NYC eine Bar/Kneipe zu öffnen braucht man eine Schanklizenz. Die aber ist entweder teuer oder nicht leicht zu bekommen oder beides zugleich. Na toll, ein Jazz-Keller ohne Getränke. Moment! Das war New York ! Es gab Bier und andere Getränke, man musste sie nur selbst mit bringen. Und davon gab es eine Menge, immer leicht unterm Tisch versteckt, aber vorhanden. Es gab einen Eimer, wo man das Geld einwerfen konnte. Das wars.
Achja, Jazz gab es auch. Es spielte jemand auf einem schwarzen (sic!) Klavier und dazu gabs eine kleines Drumset und einen Saxophonspieler in einem orientalisch anmutenden Kaftan und einem auf dem Kopf aufgesetzten Turban. Und es sang jemand. Nur sehen konnte ich niemanden. Die Bühne war aber klein und gut ersichtlich. Als Spätmerker bereits gekennzeichnet kam ich dahinter, das der Klavierspieler in einer falsett-ähnlichen Stimme jeden(!) von ihm gspielten Ton parallel mitsang. Ich übernahm eher die Rolle des Zuhörers, denn es gab einen Stapel anzüglicher Witze und den Austausch an musikalischem Fachwissen. Da wollte ich die Runde nicht durch meine äußerst mangelhaften Englisch-Kenntnisse und dauerndem Nachfragen in ihrem Rhythmus stören.

Die Fotos entstanden übrigens alle an diesem besagten Abend. Vielleicht kennt Adam noch die anderen Musiker. Aus dem Jazz-Keller gibts leider keine Bilder, es war alles irgendwie zu dunkel, nahezu schwarz. Irgendwann in den frühen Morgenstunden löste sich die Gruppe auf und ich ging meiner Wege.
Übrigens habe ich die Jahre danach versucht den jazz-Keller wieder zu finden. Was mir nicht gelang. Es bleibt ein Mysterium oder vielleicht war ich gar nicht da....?

Aber ich bin wieder zu sehr vom Ufer abgetrieben. Ich wollte nur eine kleine Einleitung zu Adam Gussow liefern. Aber jetzt komme ich zum eigentlichen Thema. Adam Gussow kommt diesen September im Rahmen des Mundharmonika-Live Festivals nach Klingenthal. Er gibt dort einen 4-tägigen Workshop. Zum Workshop begleitet ihn sein Freund und Meister auf der Bluesgitarre Charlie Hilbert (gemeinsame CD "Blues-Classics")
"Dienstag 16.9.
1: Ton und Vibrato (alle Spielniveaus)
2: Synkopisieren und rhythmisches Akkordspiel (alle Spielniveaus)
3: Zungenschlag (Tongue Blocking) 1x1 (Anfänger und fortgeschrittene Anfänger)
Mittwoch 17.9. 4.
Entdecken der oberen Oktav (für alle Spielniveaus)
5: Gehörtraining und Analyse von Plattenaufnahmen (Anfänger und fortgeschrittene Anfänger) 6: Overblowing (fortgeschrittene Anfänger und Fortgeschrittene)
Donnerstag 18.9. 7.
Grundlegendes Blues Harp Repertoir (Anfänger und fortgeschrittene Anfänger)
8: "Getting funky" (fortgesch. Anfänger u. Fortgeschrittene)
9: Little Walter und Big Walter (für alle Spielniveaus)
Freitag 19.9. 10.
Paul Butterfield (für alle Spielniveaus)
11: Die Musik von Nat Riddles and Satan & Adam (1 Std 45 min, für alle Spielniveaus)
12: "Harmonica sideman": Arbeiten mit Gitarristen und Sängern (90 min, für alle Spielniveaus)
Wenn nicht anders angegeben dauern die einzelnen Kursteile 1 Std. mit ADAM GUSSOW und CHARLIE HILBERT" Anmelden kann man sich hier:
www.mundharmonika-live.de
Was mir noch am Herzen liegt ist ein Hinweis auf Adam Gussows Buch

"Journeyman's Road: Modern Blues Lives from Faulkner's Mississippi to Post-9/11 New York ". Zu bestellen bei amazon.de oder auf Adam Gussows Website:
http://www.modernbluesharmonica.com
Was mir an diesem Buch gefällt ist folgendes. So manches Blues-Buch berichtet über die Musik, die Entstehung des Blues, über Musiker und deren Werdegang, deren Stile und Persönlichkeit. Und meist enstanden sie aus dem Blickwinkel eines Blues-Journalisten, der der Liebe zum Blues verfallen ist, aber selbst kein Instrument spielt.
Bei Adam Gussows Buch kommen 3 Blickwinkel zusammen, die dieses Buch so spannend machen:
1. Adam Gussow schreibt nicht nur als Professor für Englisch über den Blues. Er schreibt ihn aus seiner persönlichen Perspektive, die aus Erfahrungen als Musiker bestehen.
2. Die Mundharmonika steht als eigenständiges Instrument im Vordergrund bei Gussows Erzählungen. Sie umrahmt alle seine Sichtweisen und Erlebnisse aus seiner Zeit in New York City.
3. New York City - es gibt Bücher über New Orleans, über den Mississippi, über Memphis und über Chicago. Aber einen Einblick über die sich wechselnde Blues-Landschaft Manhattan blieb einem bisher vorenthalten. In dem Buch erfährt man viel über die Stadt, die eben nicht nur aus Jazz besteht, sondern den urbanen New York City Sound hervor gebracht hat.
Das Buch ist "natürlich" in englisch, aber in einem recht verständlichen gehalten. Es gibt viele s/w Fotos. Man kann das Buch irgendwo aufschlagen und zu lesen beginnen, denn es ist in Kapitel unterteilt die sich nur bedingt aufeinander beziehen.
!!!!!!!!! Premiere !!!!!!!!!!

Und jetzt komme ich zu einem Bonbon besonderer Güte.
Ganz exklusiv und nur hier für den Blog in mühevoller Arbeit und mehreren Korrektur-Durchgängen hergestellt: eine Premiere !
Ich hab ein Kapitel aus Adam Gussows Buch mit seiner Erlaubnis ins Deutsche übersetzt.
Ihr könnt dieses Kapitel nur auf diesen Blog finden!
Das Kapitel "Sitting In" behandelt das Verhalten eines Harpspielers auf Jam-Sessions. Ein sehr sensibler Bereich, ich weiß, denn es gibt soooooo viel, was man dabei falsch machen kann. Alles ähnlich erlebt oder oft gesehen.Ich wünsche euch viel Spaß beim lesen und wem das gefällt: kauft das Buch!
siehe bitte : Eintrga am 03. 10. 2008 !!!!!!!!!!!!!
Grüße aus Münster Mario, der auch in Klingenthal dabei sein wird.








