
Im Sommer 2007 waren sie schon einmal in Münster. Auf der Open Air Bühne vor dem Hot Jazz Club. Ich war nie ein Freund von verstärkter Musik unter offenem Himmel. Da geht soviel verloren, gerade die feinen Nuancen und leisen Töne verpuffen zwischen Bierglasgestemme und huschendem Kindergeschrei. Als Bluesliebhaber lege ich aber großen Wert auf ungeteilte Aufmerksamkeit den Musikern gegenüber.
Wemauchimmerseidank - die Bluesshacks kamen wieder nach Münster. Die richtige Jahreszeit, der richtige Ort, die richtige Zeit.
Der
Hot Jazz Club in Münster zeichnet sich durch qualitativ hochwertige Konzerte aus den unterschiedlichsten Sparten aus. Für die einen ist das weiträumige Kellergewölbe deckengleich zu nah an der eigenen Kopfhaut. Ich bin klein und kann springen so hoch ich kann und berühre dort nie die Decke. Das Publikum ist durchweg durchwachsen und ist gekennzeichnet durch eine westfälische Vielfalt, die von armverschränkend, fußwippend lazziv bis hin zu unkoordinierten Tanzperformances eine Bandbreite der Anwesenheitsbekundungen vorzuweisen hat.
B.B. & The Bluesshacks - ich mach jetzt etwas ungewöhnliches. Ich schwadronniere nicht über die Qualitäten dieser Formation, die lasse ich schlichtweg links liegen, denn wer diese Band kennt
weiß, das sie das Beste zu bieten haben, was vom deutschen Acker kommen kann.
Ich schiele lieber in eine Ecke, die so oft, so gerne und so ausufernd miserabel dargeboten wird:
Die Unterhaltung. Zahlreiche Bluesbands aus Deutschland schremmeln so vor sich daher und bieten dem Zuhörer kaum Genuß. Keine Sorge, ich schimpfe heute nicht über jene welche oder eben jene welche oder eben die anderen, die wir alle irgendwie schon einmal gesehen, gehört und ertragen habe. Ich will mich lieber über die
Bluesshacks auslassen. Die haben verstanden, was es bedeutet eine wilde Horde zahlender Gäste um den Finger und um die Ohren zu wickeln. Klasse Songmaterial von T-Bone Walker, Sonny Boy Williamson oder Slim Harpo und dazwischen Unbekanntes oder eigenes Material.
Bluespuristen schnallt euch an: es gab auch Soul und Schmelz. Im Gesamtkonzept durchaus stimmig. Die
Shacks zu erleben gleicht einem Theaterbesuch. Auf jeder Bühnenkante huscht eine unsichtbare kleine Fee herum und wünschelt mit einem imaginären Mob Überraschungen an Stellen, die zielgerichtet ins Auge gehen. Michael Arlt ist sich keiner körperlichen Ausschweifung zu schade, er hechelt, schüttelt sein wehendes Haupthaar, er hangelt sich am Mikrofonständer abwärts und geht nasenspitzengleich auf Tuchfühlung mit dem Bühnenboden. Zwischendurch erfriert die ganze Band in einer Momentaufnahme und verhart 30 Sekunden lang regungslos, um dann gleich wieder getimt in den Song einzusteigen. Der Saal tobte. Das zu Recht.
Unterhaltung ist mehr als nur die geballte Ladung von endlos scheinenden Harmonica Solos, die findet man bei den Shacks nicht. Von vielleicht 15 Songs werden "nur" 5 mit Harp begleitet. Was bedeutet das ? Nun, im Grunde ja, das stattdessen was anderes zu hören sein muss. Genau! Der Schwerpunkt bei den
Shacks liegt auf den Songs, dem Gesang, dem Zusammenspiel von Musikern die ihr Handwerk verstehen und damit nichts beweisen müssen.
Andreas Arlt an der Gitarre zählt zu den Besten in Deutschland. Seine Fertigkeiten und Fähigkeiten können mit denen eines Steve Freund, Ronnie Earl oder T-Bone Walker auf gleicher Höhe mithalten.
Ich lasse wie immer ein paar Fotos sprechen. Sie vermitteln einen Eindruck, aber wer nicht dabei war, hat wie immer was verpasst, diesmal aber was ziemlich geiles........all points!



